Zur Ausbildungssituation im Hotel- und Gaststättengewerbe: „Auszubildende brauchen eine Ombudsstelle.“

08. Februar 2011  Pressemitteilungen
Gastronomie (Quelle: UweSteinbrich--pixelio.de)

Kiel. DIE LINKE im schleswig-holsteinischen Landtag fordert die Landesregierung auf, ihre Rechtsaufsicht wahrzunehmen und eine Ombudsstelle für Auszubildende zu installieren. Hintergrund ist die erschreckend hohe Abbrecherquote im Hotel- und Gaststättengewerbe während der Ausbildung, die aus der Antwort auf eine große Anfrage (Drs. 17/1241) hervorgeht.

„Im Jahr 2009 standen 1.062 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen 492 Verträge gegenü ber, die wieder gelöst wurden. Das entspricht einem Anteil von 38,8 Prozent. Im Durchschnitt aller Ausbildungsberufe wurde im selben Jahr etwa ein Viertel aller Verträge gelöst. 2008 gab es sogar 42,6 Prozent Vertragsauflösungen an allen Ausbildungsverträgen im Hotel- und Gaststättengewerbe. Damit nimmt Schleswig-Holstein im Vergleich mit anderen Bundesländern eine Spitzenposition ein“, sagt Björn Thoroe, wirtschaftspolitischer Sprecher der LINKEN. „Von 600 jungen Menschen, die eine Ausbildung zum Koch aufnehmen, schafft es ungefähr die Hälfte zu einem Berufsabschluss. Von diesen 300 Jungköchen gelingt etwas mehr als einem Drittel der direkte Übergang in den Beruf. Das sind gerade einmal 100 Jungköche von ehemals 600 Einsteigern. Auf ein einzigartiges duales Ausbildungssystem zu schwören und gleichzeitig etwa 80 Prozent der Koch-Azubis auf der Strecke zu lassen, das passt nicht zusammen.“

Als Gründe für die Vertragslösung gaben 70 Prozent aller Jugendlichen Konflikte im Betrieb an. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren gestiegen. Die Moderation der innerbetrieblichen Konflikte wird bislang von den Kammern, also der Arbeitgeberorganisation geleistet. Die Rechtsaufsicht hierüber liegt bei der Landesregierung.

„Eine so hohe Abbrecherquote kommt nicht durch einige wenige schwarze Schafe zustande, wie Wirtschaftsminister de Jager behauptet. Nur wer nicht allzu genau hinschauen will, kann behaupten, die schwarzen Schafe seien in der Minderheit“, so Thoroe abschließend.

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