Über Jugendoffiziere: „DIE LINKE möchte Friedenserziehung in den Schulen.“

19. Mai 2010  Reden
Björn Thoroe hält Landtagsrede

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!

Zu Beginn möchte ich ein paar kurze Sätze zum Antrag der SPD sagen. Er enthält ja ein paar gute Ansätze. Deshalb würde ich vorschlagen: Schicken Sie ihn an Ihre Kolleginnen und Kollegen in Rheinland-Pfalz! Dort wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen Land und Bundeswehr über den Einsatz von Jugendoffizieren in Schulen geschlossen. Dort hätte die SPD auch die Mehrheit, diesen Antrag zu beschließen. Sie müssten dann außerdem noch finanzielle Mittel für die Friedensorganisationen zur Verfügung stellen. Es wäre ein äußerst ungleicher Kampf zwischen Ehrenamtlichen aus der Friedensbewegung und psychologisch geschulten Jugendoffizieren.

Dass Jugendoffiziere in Schulen auftreten dürfen, ist aus unserer Sicht skandalös. Die Schulen haben eine Fürsorgepflicht, und Schulen sollten möglichst neutral Wissen vermitteln. Beides wird durch Auftritte von Jugendoffizieren oder das Planspiel POL&IS konterkariert.

Ich habe mir vor einigen Wochen den Auftritt eines Jugendoffiziers angeschaut. Es war ein Auftritt im Berufsbildungszentrum in Gaarden. Im Publikum saßen größtenteils männliche Jugendliche, teilweise begleitet von betreuenden Sozialarbeitern. Auch einige Elternteile waren dort. Auffällig war die Art der Fragen, die gestellt wurden: Kann ich bei der Bundeswehr eine Berufsausbildung machen? Kann mein Sohn auch schon mit unter 18 zur Bundeswehr? Nimmt die Bundeswehr auch Menschen ohne Schulabschluss? In Zeiten von immer weniger werdenden regulären Arbeitsverhältnissen ist die Versuchung, zur Bundeswehr zu gehen, für viele Jugendliche mit unsicheren Zukunftsaussichten natürlich besonders groß.

(Zurufe)

– Dazu komme ich noch.

Dass Arbeiten bei der Bundeswehr heißt, das eigene Ich zurückzustellen und Befehlen zu gehorchen, dass Arbeiten bei der Bundeswehr heißt, deutsche Interessen am Hindukusch und in anderen Teilen der Welt durchzusetzen, dass Arbeiten bei der Bundeswehr heißt, andere Menschen zu erschießen, dass Arbeiten bei der Bundeswehr heißt, vielleicht auch erschossen zu werden: Dies alles wird erst einmal gern verdrängt.

(Unruhe)

Die Bundeswehr nutzt die Lage junger Menschen aus, um Soldaten zu rekrutieren.

(Anhaltende Unruhe)

Dabei war der dort anwesende Jugendoffizier zumindest recht ehrlich. Er zeigte zum Beispiel auf eine Weltkarte mit dem Kommentar: Wenn Sie hin und wieder Nachrichten gucken, werden Sie erahnen können, wo es für uns noch hingeht.

Auf die Frage, ob die Bundeswehr die Aufgabe habe, deutsche Interessen durchzusetzen, wie im Weißbuch der Bundeswehr beschrieben, antwortete er: Ja, natürlich.

(Anhaltende Unruhe)

Immerhin weniger heuchlerisch als die meisten, die hier behaupten, die Bundeswehr wäre immer noch hauptsächlich dazu da, Brunnen zu buddeln und Schulen zu bauen.

Unehrlich war der Jugendoffizier allerdings, was die Versorgungslage nach Einsätzen angeht. Er schwärmte von der Rundumversorgung, wenn einem Soldat im Einsatz doch einmal etwas passieren sollte.

Wie verzweifelt Soldaten werden können, die nach einer Verwendung im Stich gelassen werden, beweist dagegen folgendes Zitat – es steht auf der Website der Deutschen Kriegsopferfürsorge:

Ich war immer fleißig. Ich habe mit vierzehn meine Fleischerlehre begonnen und abgeschlossen. Ich habe meinen Realschulabschluss nachgeholt. Dass ich einmal so enden würde, auf dem Sozialamt, hätte ich nie geglaubt. Die Taliban sind gnädiger als die vom Amt. Die Taliban schießen dir in den Kopf, und es ist gleich vorbei. Das Amt lässt dich langsam verhungern.

So verzweifelt können junge Menschen werden, die im Dienst der Bundeswehr verwundet werden.

DIE LINKE möchte nicht, dass die Logik des Krieges in Schulen vermittelt wird. DIE LINKE möchte Friedenserziehung in den Schulen. DIE LINKE möchte nicht, dass Geld für Jugendoffiziere verschwendet wird. DIE LINKE möchte menschliche Arbeit für alle.

(Beifall bei der LINKEN)

Video der Rede

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